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Geschichte
Vorbemerkung

Sie finden hier Informationen zum Thema "Stiftsfrau - Living history - gelebte Geschichte".
Ich betreibe dieses Hobby seit 2004 und bin fasziniert vom Leben im frühen Mittelalter.
Meine Darstellung siedelt sich z.Zt. der Könige Alfons II, des Keuschen und seiner Nachfolger Ramiro I. und Ordoño I. von Asturien (Nordspanien) an. Das ist die 2. Hälfte des 9. Jhs.

Person und Zeit

Alfonso II
Er lebte von 791-842 und war in seiner Jugend unbedeutend. Ab seinem 32. Lebensjahr baute er seine Herrschaft aus, reorganisierte sein westgotisches Erbe um die Stadt Oviedo herum und stützte deren Vorherrschaft als Hauptstadt. In der Albeldensischen Chronik ist übeliefert, dass er "... die ganze Ordnung der Toledanischen Gotik, sowohl in der Kirche als auch im Palast" wiederherstellte. Er erbaute einen neuen Palast, der zum Zentrum seines Wirkens wurde, hob sich von der Kirche Toledos und des Frankenreichs ab, indem er einen neuen Bischofssitz in Lugo schuf. Er initiierte den Jakobskult am "Campus Stellae". Damit schuf er die Voraussetzung der Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Sein Beiname "der Keusche" stammt von seinem Verzicht auf Frauen. Er starb ohne Nachkommen, was zur Folge hatte, dass die Krone an Ramiro I. fiel. Ramiro I. (842-850) schlug Wikinger- und Maurenangriffe nieder, war der Bauherr der Kirche San Miguel de Lillo, unterstützte den Aufstand der Mozaraber gegen den Emir von Toledo. Er weitete sein Reich nach Süden aus (León, Astorga), setzte Rodrigo als Markgrafen von Alava ein. Rodrigo und sein Nachfolger Ordoño I.(850-866) dehnten Kastilien bis zum Duero aus und zerschlugen es in mehrere Grafschaften. Asturien erlebte seine Blütezeit.
Aus diesem Zeitraum sind über spanische Geschichte nur wenige Quellen erhalten, weil die Reconquista in vollem Gange war.
In der Chronik des Einhard wird erwähnt, dass Alfons II. Gesandtschaften ins Frankenreich schickte. Dort ist 814 Karl d. Große gestorben, sein Reich in Ost- und West gespalten. Unter seinen Erben schreitet in großem Umfang die Christianisierung voran. Die Gründung von Frauenstiften erlebt eine Blütezeit.

Die Stellung der Frau, ihre Tätigkeit

Frauen stand im frühen Mittelalter v. a. die Rolle der Ehefrau offen, im geistlichen Bereich die der Nonne. Unverheiratete Frauen und Witwen taten gut daran, sich in den Schutz eines Herrn oder einer Gemeinschaft zu begeben. Als Eheformen gab es die Muntehe (Hausherrschaft=Munt), die Friedelehe (Nebenfrau im eigenen Haus mit Erbrecht) und das Konkubinat (Lebensgemeinschaft ohne Erbrecht). Im geistlichen Bereich wurde i. d. Regel eine Adelige oder Stifterin aus königlicher Familie Äbtissin (manchmal sogar ein Kind). Nonnen und Kanonissen (Stiftsfrauen) entstammten oft ebenfalls dem Adel. Bei Bäuerinnen war es wichtig, ob sie frei oder hörig waren. Eine freie Bäuerin war Hufenbäuerin, d.h. sie besaß eigenes Land und verwaltete dies mit ihrem Mann. Eine hofhörige Bäuerin war unverheiratet.

Worin besteht Frauenarbeit im Unterschied zu Männerarbeit, dem Opus virile (=Pflügen)? Nach Hans-Werner Goetz v. a. im Opus textile d.h. in der Herstellung und Pflege der Kleidung im weitesten Sinne. Im Utrechter Psalter werden im Jahr 830 spinnende und webende Frauen erwähnt. Isidor von Sevilla (570-636)erwähnt ein gynaeceum, d.h. einen Ort, an dem sich Frauen zum Textilwerken zusammenfinden. Hrabanus Maurus (780-856) spricht in "De reram naturis" von Spinnrocken, Spindel, Schere und Gewichtswebstand als Frauenwerkzeug, im Gegensatz zu Hakenpflug, Hacke, Sense, Sichel, Spieß und Messer für den Mann. In den Kapitularien wird geregelt, wer was zu tun hat. Die Sonntagsruhe wird zum Zweck des Kirchenbesuches eingeführt. Die Kapitularien werden im 7. Jh. lokal übernommen, durch die königliche Entfaltung im 8. Jh.gefördert und im 9. Jh. durch die reichskirchliche Ausbreitung und Tradition verbreitet. In der Admonitio generalis von 789 heißt es: "Die Frauen sollen Webarbeiten (opera textile) am Tag des Herrn unterlassen, keine Stoffe schneiden, zusammennähen oder besticken, keine Wolle zupfen (spinnen). Sie sollen keinen Flachs schlagen oder außer Haus (in publico) Wäsche waschen, keine Schafe scheren. Sie sollen zur Feier der Hl. Messe zusammenkommen." Im Inventar des Klosters Staffelsee von 810 wird die "familia" in Kirche, Herrenhof, freie und unfreie Hufen aufgelistet: 42 Personen mit Abgaben und Diensten. Zum Opus Feminile gehört ein genitium (Frauenarbeitshaus) mit 24 Frauen, die jeweils 5Wolltücher mit 4 Fußlappen und 5 Leintüchern abzugeben haben. Die jährlichen Abgaben der Freien Hufe sind ein Bündel abgewogenes Leinen für die Werkstube, 1 Sester Leinsamen. Zum Pflichtenkatalog der unfreien Hufe gehört "Seine Frau macht ein Wolltuch, sie stellt Malz her und backt Brot". Das Opus Feminile ist weiter gesteckt als das Opus Textile. In karolingischer Zeit wurde die Rechtstellung der Frauen verbessert: sie konnten erb-und besitzfähig sein, Verfügungsgewalt über ihr Hab und Gut ausüben, selbständig geschäftsfähig sein. Es gab keine spezifisch weiblichen Lebensformen im Sinne strukturell unterschiedlicher, alternativer Lebensweisen. Ihre Position war mehr standes-als geschlechtsabhängig. Sie durften keine öffentlichen und klerikalen Ämter ausüben, partizipierten jedoch maßgeblich an den vorhandenen Lebensformen. Eine gebärfähige Frau genoß dreifaches Wergeld (Königsschutz). Eine freie erwachsene Frau hatte in allen Volksrechten mindestens den gleichen Wert wie ein Mann.

Was führte eine Frau im 9.Jh.ins Stift?
Das Kanonissentum war sehr beliebt. Es ermöglichte der Frau weiterhin Kontakt zur Familie zu halten. Der Wunsch nach einem heiligmässigen Leben war sehr verbreitet. Viele Kinder wurden wegen der Erziehung ins Kloster gegeben. In angelsächsischer Zeit konnte die Frau sowohl aus einer bestehenden Ehe ins Stift eintreten, als auch aus demselben austreten um zu heiraten. Es wurde erst seit Ludwig dem Frommen kritisiert, wenn der einmal gewählte geistliche Stand erneut zugunsten einer Ehe aufgegeben werden sollte (Bsp. dessen Ehefrau Judith). Die Unterscheidung zwischen Nonne und Kanonisse (Stiftsfrau) gab es erst seit dem 11. Jahrhundert. Im 9.Jh. wurde eine Stiftsfrau von ihrer Umwelt als Nonne betrachtet und sah sich auch selbst so.

Verwendete Karten/Literatur/Links

Zur Geschichte Spaniens

www.susas.de
http://netzwerk.wisis.de/bilder/5.htm
www.ottonenzeit.de/recon/923-re.jpg
www.artehistorica.com/historia/personajes/4405.htm
www.Wikipedia.de
www.blinde-kuh.de/ritter/spanien.jpg
Antonio Ubieto, Juan Reglá, Introducción a la Historia de España, Barcelona (Teide) 1986 http://perso.wanadoo.es/ralf55/history/Sp3.html
http://www.historialgo.com/legvisigodos.htm
Antonio Bonet Carrea, Imagen del Arte Preromano Asturiano, Ed. Polígrafa, S.A., Barcelona ISBN 84-343-0318-3
Eusebio Goicoechea Arrondo, Rutas Jacobeas. Historia-Arte-Caminos Hg. Los Amigos del Camino de Santiago 1971

Zur Stellung der Frau

Hans-Werner Goetz Hg., Weibliche Lebensgestaltung im frühen Mittelalter, Köln (Böhlau) 1991
Kunst-und Ausstellungshalle der BRD Bonn und Ruhrlandmuseum Essen Hg., Krone und Schleier. Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern, München (Hirmer) 2005
Eine ausführliche Bibliographie zur neueren Forschung von stiftisch orientierten Frauenkommunitäten findet sich unter http://www.frauenkloester.de/litt-stift.html
Detaillierte bibliographische Angaben unter http://dnb.ddb.de

Zum Einlesen ins Mittelalter

Pierre Riche, Die Welt der Karolinger, Ditzingen (Reclam) 1981 Egon Wamers/Michael Brandt Hg., Ausstellungskatalog Die Macht des Silbers.Karolingische Schätze im Norden.Regensburg (Schnell&Steiner) 2005 ISBN 3-7954-1750-3
Hans Holländer, Kunst des frühen Mittelalters 1968 (Belser Stilgeschichte Bd. 5)
Gerald Simons, Die Geburt Europas. Zeitalter der Menschheit. Eine Weltkulturgeschichte
Dieter Breuers, Ritter, Mönch und Bauersleut. Eine unterhaltsame Geschichte des Mittelalters,Bergisch Gladbach (Marix) 2004 ISBN 3-937715-20-7
Rudolf Pörtner, Die Erben Roms.Städte und Stätten des deutschen Früh-Mittelalters, Düsseldorf, Wien(Econ)1964

Primärliteratur

Einhard, Vita Karoli Magni. Das Leben Karls des Großen Latein/Deutsch, Reclam
Basilius Steidle Hg., Die Benediktus-Regel lateinisch deutsch Beuron 1978
Augustinus, Bekenntnisse,Reclam

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